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GESCHICHTSWERKSTATT BAYREUTH
e.V.
Eisenbahngeschichte von Bayreuth
und Umgebung
Schlaglichter
aus der Bayreuther Eisenbahngeschichte
von Axel Polnik
Ein Blick auf die heutige
Eisenbahnkarte zeigt deutlich, dass die Festspiel- und Universi-
tätsstadt Bayreuth – zudem Regierungshauptstadt von Oberfranken –
schlecht erschlossen ist. Die Gründe hierfür sind politischer
Natur und reichen über 100 Jahre zurück.
Am 18. März 1836 wandte sich der Stadtmagistrat Bayreuth mit einem
Gesuch an den bayerischen König, doch eine Eisenbahn von
Nürnberg über Bayreuth nach Hof zu bauen. Dieses Gesuch wurde
abgelehnt.
Durch die Planungen für die so genannte Ludwigs-Süd-Nord-Bahn
von Lindau über München nach Nürnberg und von dort
weiter an die bayerisch-sächsische Grenze nach Hof sah der
Stadtmagistrat eine Chance, erneut ein Gesuch für den Bau einer
Eisenbahn an den König zu richten. Die Eisenbahnstrecke sollte von
Lichtenfels kommend von Steinenhausen bei Kulmbach nach Bayreuth
geführt werden und dann über Trebgast – Wirsberg –
Münchberg – Schwarzenbach/Saale nach Hof führen.
Außerdem wurden mehrere Gesuche dieser Art an die Königliche
Eisenbahn-Baucommission gerichtet. Auf diese erhielt der Bayreuther
Stadtmagistrat jeodch keine Antwort.
1842 war die Baucommission zu dem Entschluss gekommen, die Eisenbahn
von Kulmbach kommend direkt über die Schiefe Ebene nach Hof zu
führen – also an Bayreuth vorbei! Auf die eingereichten Gesuche
der Stadt Bayreuth hatte der zuständige Minister den Vermerk
angebracht „Zu den Akten – in dieser Sache bereits entschieden”. So
genehmigte auch der König am 15. Juni 1843 die Strecek direkt von
Kulmbach über die Schiefe Ebene. Er war von der ersten deutschen
Steilstrecke offensichtlich sehr begeistert und ordnete außerdem
an, dass anlässlich der an diesem Tag stattfindenden
Landtagssitzung den Bayreuther Abgeordneten davon nichts bekannt
gegeben dürfe. Diese Entscheidung ging der Stadt Bayreuth erst im
Juni 1844, also ein ganzes Jahr später, zu, als die Bauarbeiten
für die Strecke über die Schiefe Ebene bereits begonnen
hatten.
Auch der erneute Anlauf der Stadt Bayreuth, eine halbe Million Gulden
für den Umweg aufzubringen, brachte nicht den gewünschten
Erfolg. Man erfuhr jetzt aber die Gründe für diese
Entscheidung. Wegen der Streckenführung in den Tälern der
Regnitz und des Mains und seiner Nebenflüsse wäre durch die
Weiterführung von Bayreuth nach Wirsberg in Bayreuth der Bau einer
Spitzkehre – also ein Kopfbahnhof – notwendig geworden. Die damit
verbundenen hohen Baukosten scheute der bayerische Staat.
Der Magistrat der Stadt Bayreuth hatte aber noch einen Plan B. Am 30.
Juli 1844 wurde an die Königliche Eisenbahn-Baucommission die
Bitte gestellt, zwecks einer Zweigbahn von Bayreuth nach Neuenmarkt die
vorbereitenden Messarbeiten zu beginnen. Diese begannen wenige Wochen
später. Im Gutachten vom 18. Januar 1845 kam der Sektionsingenieur
Naegele zu der Feststellung, dass diese Bahnstrecke Baukosten von
1.100.000 Gulden und weitere 150.000 Gulden an laufenden Betriebskosten
verursachen würde.
Bereits am 31. Januar 1845 bat die Stadt Bayreuth den König um die
Erlaubnis zur Errichtung einer Aktiengesellschaft für den Bau der
Zweigbahn. Die Stadt wollte also in Eigenregie bauen. Geldgeber aus der
aufstrebenden einheimischen Industrie waren dazu bereit. Der König
wurde jedoch von der Eisenbahn-Baucommission in Nürnberg
dahingehend beraten, dieses Gesuch wegen mangelnder Rentabilität
abzulehnen. Den Bescheid bekam der Stadtmagistrat dann am 18. Oktober
1845. Der Vorgang wurde von der Königlich Bayerischen
Staatseisenbahn vorläufig ad acta gelegt und ruhte mehrere Jahre.
Nach fünfjähriger Pause wurde die Akte wieder
aufgeschnürt. Dem Stadtmagistrat kam eine Königliche
Entschließung vom 25. Juli 1850 zu Hilfe, die es erlaubte, dass
Eisenbahnstrecken privat gebaut und gegen Pacht vom Staat betrieben
werden. Am 28. September 1850 richtete die Stadt an den König ein
entsprechendes Gesuch. Nach einigen verwaltungstechnischen Hürden
konnte erst am 6. Januar 1852 zwischen der Stadtgemeinde Bayreuth und
der Königlichen Staatsregierung ein Pachtvertrag für die
Dauer von 50 Jahren abgeschlossen werden. Aus diesem nahm die Stadt
Bayreuth einen jährlichen Pachtzins von 55.000 Gulden ein.
Die für den Bau der Zweigbahn notwendige Konzessionsurkunde
unterschrieb König Maximilian II. am 29. Juli 1852 in
Hohenschwangau. Im Oktober 1852 begannen sogleich die Bauarbeiten
für die Strecke nach Neuenmarkt an der Ludwigs-Süd-Nord-Bahn.
Für die Baukosten hatte die Stadt Bayreuth ein Darlehen in
Höhe von 800.000 Gulden bei der Königlichen Bank in
Nürnberg aufgenommen.
Die Eröffnung der ersten Bayreuther Eisenbahn fand am dann 28.
November 1853, am Geburtstag des Königs, statt. Er kam jedoch
nicht selbst, sondern entsandte den Chef der Königlichen
Eisenbahn-Baucommission. Den Eröffnungszug zog eine Lokomotive mit
dem Namen „Bayreuth”.
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